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Illegale Autorennen
Leipzig
(AP) "Gib Gummi", tönt der Schlachtruf aus der Menge durch die Nacht.
Dann heulen die Motoren auf - je lauter, desto größer ist die Begeisterung des
sensationslüsternen Publikums, das in Fünferreihen Spalier steht. Autoreifen
drehen durch und hinterlassen eine zentimeterbreite Spur auf dem Asphalt.
Junge Autofreaks in
Ostdeutschland haben seit kurzem illegale Autorennen, die bisher nur aus
westdeutschen Städten bekannt waren, als neuen Freizeit-Kick für sich
entdeckt.
Erst in der Nacht zum Sonntag hat die Polizei einen solchen PS-Treff auf dem
Truppenübungsplatz in der Colbitz-Letzlinger Heide in Sachsen-Anhalt
verhindert. Leipzig hat sich zum Schwerpunkt dieses gefährlichen Freizeitsports
entwickelt.
Seit einigen Wochen treffen sich die PS-Kids jeden Dienstag abend nach Geschäftsschluß
auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums Löwen-Center in Burghausen bei Leipzig.
Das Interesse an den irrwitzigen Mutproben der jungen Raser nahm in kürzester
Zeit erschreckend zu.
Als die Polizei erstmals am 20. August auf die illegalen Rennen aufmerksam
wurde, waren lediglich 250 junge Leute mit 150 Autos anwesend. Fünf Einsatzkräfte
konnten jedoch dem gefährlichen Treiben damals kein Ende setzen.
Rennen mit Videokameras
aufgenommen
Mit Verstärkung rückten sie eine Woche später an. Doch da waren aus 150 schon 1.200 Autos geworden. Die Menge schrie: "Klatscht die Bullen auf!" Die Uniformierten hielten sich zurück. "Wir haben aber die Rennen mit Videokameras aufgenommen", berichtet der Leipziger Polizeisprecher Hartmut Steinert. Jetzt sei man dabei, die Bänder auszuwerten und jeden Einzelnen mit Bußgeldern und Punkten in Flensburg zu bestrafen.
Am vergangenen Dienstag griff die Polizei durch: Der Parkplatz am Löwen-Center wurde abgesperrt. Kurzerhand verständigten sich die Raser per Funktelefon und wichen auf den wenige Kilometer entfernten Parkplatz des Einkaufszentrums Saalepark aus. Dort versammelten sich dann 3.500 Zuschauer und Aktive mit 1.200 Autos. Das gefährliche Spiel begann: Ein junger Mann hebt die Arme - das Startsignal für die PS-Schlacht, in der jeweils zwei Autos gegeneinander antreten. Die beliebteste Paarung: Golf GTI gegen Kadett GSI. Wer nach den ersten 50 bis 100 Metern die Kühlerhaube vorn hat, ist Sieger. Das eigentlich Gefährliche: Die Autos rasen mit weit über 100 Stundenkilometern nur wenige Zentimeter an dem dichtgedrängten Zuschauer-Spalier vorbei.
Etwa 100 Polizisten lösten den Spuk am vergangenen Dienstag schließlich auf. Dabei wurden sie von mehreren hundert Randalierern mit Flaschen und Steinen beworfen. Am (morgigen) Dienstag sind die Einsatzkräfte Steinert zufolge wieder an Ort und Stelle. "Wir werden so lange präsent sein, bis bauliche Veränderungen keine Rennen mehr zulassen", kündigt er an. Gemeinsam mit den Betreibern der Einkaufszentren sollen nun Poller und Erdwellen den Rasern das Handwerk legen. Höchste Zeit, meint auch Gisela Bußkamp, Managerin im Löwen-Center. Abgefahrene Bordsteinkanten und Fahrbahnmarkierungen, kaputte Häuschen für Einkaufswagen und umgefahrene Bäumchen hätten den Betreibern bereits mehrere tausend DM Schaden zugefügt.
"Dann
gehen wir eben auf die Autobahn"
Leipzigs Polizeipräsident Helmut Lunau will die Rennen jetzt gemeinsam mit der Stadtverwaltung und dem Regierungspräsidium in legale Bahnen lenken. "Diese jungen Leute wollen ihren großen Formel-Eins-Vorbildern nacheifern", gab er sich verständnisvoll. Ausgediente Militärflugplätze im Leipziger Umland, so erste Überlegungen, könnten dafür geeignet sein.
Die Zeit drängt, will
man Schlimmeres verhindern. Bedrohlich sind die Aussichten, wenn die Parkplätze
komplett gesperrt werden und keine Alternative für die Rennen angeboten wird.
"Dann gehen wir eben nachts auf die Autobahn", schrie ein etwa 18- bis
20jähriger den Polizisten bei der Räumung des Parkplatzes am vergangenen
Dienstag entgegen. Von AP-Korrespondentin Susann Huster
Jeden Sonntag treffen sie sich zum PS-Duell, Ein Wahnsinn auf Rädern. Und manchmal endet er tödlich . .
rovozierend rückt der neongrüne Breitreifen-Golf dem vollverspoilerten BMW auf die Stoßstange, tänzelt zur Seite. Riskante Motor-Muskel-Spiele auf der baumgesäumten B 158 kurz vor Seefeld (Brandenburg) bei Tempo 120. Der Vordermann tritt das Gaspedal voll durch, den Verfolger dicht auf der Pelle. Der setzt zum Überholen an, wird ausgebremst, schlingert. Auf dem Rücksitz des BMW johlen Markus* (17) und Hannes* (20) vor Vergnügen. Schnell noch ein Stopp mit quietschenden Reifen an der Tankstelle. Mit einem Six-Pack-Bier geht der Irrsinn weiter. Anfahrt zum Autorennen nach Werneuchen. Illegal. Verdammt gefährlich.
Freitag Disko. Samstag Disko. Und am Sonntag geht die Party auf Rädern weiter. Lebensgefahr als Freizeit-Kick. Auf dem ehemaligen GUS-Flughafen im Brandenburgischen. Mit Einbruch der Dunkelheit rollt die Karawane der unberechenbaren Motor-Anarchisten auf der Landebahn ein. Die frisierten Motoren röhren. Aus den Boxen wummern die Techno-Beats. Ein Meer von Scheinwerfer-Paaren. Mehr als 100 Autos: Tiefergelegte Geschosse, in denen der Wahnsinn mitfährt.
"Lebend kriegt ihr mich nie!" Das ist die Philosophie der selbsternannten Freizeit-Schumis. Eine Parole, die sich Maler Mario* (18) sogar in neongelben Lettern auf seine Heckscheibe geklebt hat. Er ist überzeugt: "Unfälle sind unwahrscheinlich, wenn man ein richtig guter Fahrer ist." Und dafür hält sich hier jeder.
Einmal voll aufdrehen und die Landebahn entlang rasen, dann gemächlich zurück. Alle Ankömmlinge drehen sie, die Begrüßungsrunde. Sehen und gesehen werden. Fast so wie in der Disko ist das. Nur, daß hier nicht das neue Kleid, die coole Jacke zählen, sondern der richtige Spoiler, der größte Auspuff, die meisten PS.
"Bis zu 1000 Autos treffen sich hier manchmal", sagt Imbißbesitzer und Renn-Fan Jens* (22). Die Szene: Das sind lose Grüppchen von Autonarren zwischen 16 und 30, die per Handy oder per Mundpropaganda in Diskos und Kneipen neue Renn-Termine vereinbaren. Seit ein paar Jahren geht das so. Kommt die Polizei, verlegen sich die Raser auf einen neuen Treffpunkt. Meist an Ausfallstraßen im Berliner Umland. Manchmal sogar in der Berliner Innenstadt, bei spontanen Rennen an der Ampel. Und neuerdings in Werneuchen.
Ein Toter im vergangenen August in Neuruppin, einer im Dezember in Marzahn. Sieben Schwerverletzte im Januar auf der Heerstraße, schon wieder drei im April . . . Die Liste der Renn-Opfer wird immer länger. "Wir sind besser. Das passiert uns nicht." Und daran glaubt Mario tatsächlich.
Er ist mit Papas Corolla in Werneuchen und deshalb genervt. Ist zwar besser als kein Auto. Aber verdammt lahm und uncool. Findet Mario. Neulich haben Joyrider (jugendliche Autoknacker) seinen roten Renn-Mazda geklaut und zu Schrott geheizt. 4000 Mark hatte er da gerade reingesteckt, für das Sportlenkrad, die Spoiler, den Auspuff. Und natürlich die Vier-Punkt-Renn-Gurte. Weil die so "klasse sportlich aussehen".
Sehnsüchtig schaut er rüber zu zwei schwarzen 3er-BMW"s, die nebeneinander auf der Landebahn die Motoren aufheulen lassen. "Juckig machen" heißt das in der Szene. Der Starter in der Mitte hebt die Arme: "Achtuuuung . . . ." Und Vollgas.
Mit quietschenden Reifen schlingert einer der Wagen, dann schießen beide die Gerade entlang. "Niemals würde ich Starter machen", sagt Installateur Tom* (17) kopfschüttelnd. "Die Autos brechen aus. Das ist doch lebensgefährlich." Seltsame Erkenntnis. Denn lebensgefährlich ist es auch dort am Rande der Landebahn, wo Tom steht und das Spektakel begeistert verfolgt.
Weit vor dem Gegner flackert der Warnblinker des schwarzen M 3 auf. Das Zeichen des Gewinners am Ende der Bahn. Betont lässig schält sich Fahrer Jörn* aus den Ledersitzen, gesellt sich zu den Zuschauern. "Tja, 321 PS. Da kommt keiner mit." Jörn ist 23, Computerfachmann aus Berlin. Den Wagen (kostet 93 000 Mark) hat Papa bezahlt.
"Das Illegale ist der Kick, ist geil", sagt er. "Und die Bullen können uns nichts." Er zeigt auf den Streifenwagen, der sich vor dem Flughafen postiert hat.
"Wegelagerer sind das", verhöhnt ein anderer die Uniformierten, die hundert Meter vor der Flughafen-Einfahrt blitzen, Temposünder und auffällige Wagen abfischen. Getunte Motoren, Sportlenkräder, bunt gefärbte Standlichtbirnen - die meisten hier haben ihre Kiste kräftig mit nicht zugelassenen Extras aufgerüstet. Mike (19) kennt das schon: "Mich haben sie neulich gezogen. Drei Punkte und 136 Mark Strafe, weil mein Lenkrad nicht eingetragen war. Na und?"
Der Flughafen Werneuchen ist Privatgelände. Und deshalb schreitet die Polizei dort auch nicht ein. "Wir haben die Kontrollen auf der Straße verstärkt. Allein durch die Präsenz der Polizei lösen sich Raser-Treffen erfahrungsgemäß ganz schnell auf", sagt Harald Röseler, Pressesprecher vom Polizeipräsidium Eberswalde. Trotzdem werde es immer wieder Rennen geben. "Ganz können wir die nicht stoppen."
Kürzlich gab es den ersten schweren Unfall in Werneuchen. "Da hat ein Golf einen Honda Civic geküßt", erzählt Jens. "Der Honda wollte wenden. Und der Golf is" ihm voll Speed reingekachelt." Flirt mit dem Tod: Zwei Schwerverletzte hat es gegeben an diesem Tag. Eingeklemmt in den Trümmern ihres Wagens, bis endlich mal jemand per Handy einen Krankenwagen rief.
Der Tempo-Rausch ist stärker als die Vernunft. "Ich habe keine Angst", sagt Jens. Erst am letzten Wochenende ist er mit seinem Auto auf der Rückfahrt von Werneuchen gegen einen Baum gefahren. Totalschaden. "Mir ist doch nichts passiert", sagt er lässig. Denn sie wissen nicht, was sie tun.
"Ich hab" schon 'ne Menge mitgemacht", sagt Mirko* (16). "Mit 220 in "ne Leitplanke. Gegen einen Baum nach der Disko. Und immer hatte ich nur ein paar blaue Flecke." Soviel Glück muß unsterblich machen. Glauben sie . . .
BM/dpa Hamburg - Illegale Autorennen im öffentlichen Straßenverkehr sollen künftig als eigenständige Ordnungswidrigkeit geahndet werden und neben einer saftigen Geldstrafe mit vier Punkten im zentralen Verkehrsregister zu Buche schlagen. Bisher wurden die gefährlichen Rennen als "sonstige Ordnungswidrigkeit" nur mit einem Punkt in Flensburg geahndet.
Ein Papier aus dem Bundesverkehrsministerium sieht ferner vor, das Verwarnungsgeld für das rechtswidrige Benutzen von Behinderten-Parkplätzen von 40 auf 75 Mark anzuheben. Das Fehlen eines Kfz-Kennzeichens könnte bald 75 Mark statt derzeit 20 Mark kosten.
Wenn
Halbstarke Kräfte messen
Schon wieder ein Wettrennen: Diesmal drei
Verletzte und sechsfacher Totalschaden, Von
Mareike Knoke
"...denn sie wissen nicht, was sie tun" - immer häufiger kommt es zu Wettrennen zwischen jungen Autofahrern und zu illegalen Straßenrennen. Zwar gehen viele Rennen glimpflich aus, im Gegensatz zu den Rennen mit James Dean im Kultfilm. Ein Polizeibeamter warnt aber: "Die Aggressivität gerade unter Jugendlichen am Steuer nimmt zu, dort können sie ihren Frust wie ein Ventil rauslassen."
Der aktuelle Fall: Bei einem Wettrennen in der Nacht zum Dienstag in Reinickendorf sind zwei Autos zusammengestoßen, die Fahrer rammten anschließend in der Marktstraße vier geparkte Fahrzeuge. Nach einer ersten Polizeischätzung entstand ein Sachschaden von rund 80 000 Mark. Der 19jährige Golf-Fahrer und der 20jährige BMW-Fahrer, beides Türken aus Wedding, hatten beide gleichzeitig links und rechts ein anderes Fahrzeug überholt, waren zusammengestoßen und gegen die anderen Autos geschleudert.
Bilanz des Crashs: Drei Verletzte, die im Krankenhaus behandelt werden mußten und sechs Fahrzeuge mit Totalschaden. Nur der Golf-Fahrer blieb unverletzt.
Das PS-Duell auf der Residenzstraße ist nur das letzte Glied in einer langen Kette von spontanem "Kräftemessen" oder geplanten Autorennen zwischen zwei Fahrern. Die Dunkelziffer ist hoch, bekannt werden nur die Fälle, die mit Blechschaden, Verletzten oder sogar Toten enden. Besonders "beliebt" als Austragungsort für das Kräftemessen sind - neben dem brandenburgischen Umland - die Heerstraße oder die Avus.
Kaum ein Monat vergeht, ohne daß ein solcher Unfall bekannt wird: Januar 1997 - sieben Verletzte auf der Heerstraße in Spandau. Beide Autofahrer werden zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt und müssen je 1000 Mark Buße zahlen; April 1997 - drei Schwerverletzte, ebenfalls auf der Heerstraße; August 1997 - zwei junge Türken werden in Kreuzberg lebensgefährlich verletzt. Daneben registrierte die Polizei zahlreiche Autorennen in Brandenburg mit bis zu 80 Fahrern.
Nach Ansicht des ADAC-Verkehrspsychologen Peter Seemann ist, trotz drohender Geldstrafen von 1000 Mark, Führerscheinentzug und bis zu sieben Punkten in der Verkehrssünderkartei in Flensburg, "kein Kraut gegen die Raserei" gewachsen. "Die Fahrer schaukeln sich gegenseitig hoch. Der Tritt aufs Gaspedal ersetzt bei Streitigkeiten oft den Kinnhaken." Auch die psychologisch-medizinische Pflichtuntersuchung für ertappte illegale Fahrer fruchte selten, trotz Nachschulung mit geschulten Fahrlehrern. Übrigens: Der ADAC bietet Jugendlichen die Möglichkeit, kontrolliert bei Kart-Rennen zu rasen. "Wenn die Jugendlichen ein Ventil für ihre Aggressionen suchen, dann bitte im lizenzierten Motorsport", sagt ADAC-Sprecher Eberhard Lange.
Hörlitz (ddp). Am 17. Juni öffnet
sich letztmals ein "Loch im Bauzaun" der Renn- und Teststrecke
Lausitzring bei Hörlitz (Oberspreewald-Lausitz). Besucher können dann nach
Betreiberangaben ab 10 Uhr die fast fertige Strecke besichtigen und auf der Tribüne
"probesitzen", die ersten 100 Plätze wurde n bereits installiert.
Auch die Boxengasse wird dann weitgehend fertig gestellt sein. Die Betriebs- und
Managementgesellschaft zieht bereits schrittweise von Berlin auf den Lausitzring
um. Besucher werden auch am 17. Juni das Motodrom nur zu F uß umrunden können.
Baufirmen und Betreiber ließen im Asphalt einige Absätze stehen oder frästen
sie nachträglich ein. Damit sollen illegale Benutzung und "schwarze
Rennen" verhindert werden. Die Betreiber wollen damit Unfällen vorbeugen.
Das Gelände ist noch eine Baustelle, auf der abends und nachts unbeleuchtete
Maschinen herumstehen, was erhebliche Unfallrisiken mit sich bringt. Gleiches
gilt für eine ungeordnete Benutzung ohne Einweisung und Aufsicht.
Die Pagenstecherstraße wird am Freitag- und Samstagabend für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt
Nur aufgrund eines massiven Polizeiaufgebots konnten am vergangenen Wochenende illegale Autorennen auf der Pagenstecherstraße verhindert werden. Die Polizei hat in intensiven Diskussionen mit dem städtischen Fachbereich für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten klargestellt, dass sie aber trotz des Einsatzes erheblicher Kräfte die Situation auf Dauer nicht mehr beherrschen kann.
Von diesen Rennen gehen nach Einschätzung der Ordnungskräfte erhebliche Gefahren für die zahlreichen Zuschauer, insbesondere aber für unbeteiligte Dritte aus. Deshalb hat die Stadt im Einvernehmen mit der Polizei entschieden, am kommenden Wochenende die Pagenstecherstraße zwischen Springmannskamp und Breite Güntke voll sperren zu lassen.
Allein dadurch können nach Auffassung von Polizei und Stadt illegale Autorennen wirksam verhindert werden. Weniger weit reichende Maßnahmen, die in den vergangenen Wochen unternommen wurden, haben bedauerlicherweise die Absicht, Rennen durchzuführen, nicht unterbinden können, vielmehr eher zu einer Eskalation des Geschehens beigetragen.
Der Straßenabschnitt wird am Freitag, 12., und am Samstag, 13. Mai, zwischen 20 Uhr und ca. 6 Uhr für den Kraftfahrtzeugverkehr gesperrt. Die Geschäfte und Unternehmen in diesem Bereich können dann nicht mehr angefahren werden. Der Zugang für Fußgänger bleibt aber jederzeit möglich. Die Umleitung
des Verkehrs erfolgt stadtauswärts über den Springmannskamp und die Natruper Straße und stadteinwärts über die Römereschstraße zur Hansastraße.
Polizei und Stadt bitten deshalb um Verständnis dafür, dass Beeinträchtigungen unumgänglich sind.
Im
Dunkeln wird Gas gegeben, Großeinsätze
gegen illegale Autorennen in Brandenburg
Von unserem Korrespondenten Axel Vornbäumen
BERLIN, 6. September.
Mit mehreren Großeinsätzen mußte am Wochenende die brandenburgische Polizei
im Umland von Berlin zum wiederholten Male gegen Jugendliche vorgehen, die
versuchten, bei Einbruch der Dunkelheit illegale Autorennen zu veranstalten. In
Ludwigsfelde, das sich zwischen- zeitlich zu einem Zentrum der Raserei
entwickelt hatte, sorgte ein Großaufgebot von 200 Beamten mit umfangreichen
Kontrollen an sämt- lichen Zufahrtstraßen für Ruhe. Dort hatte es an den
vergangenen Wochen- enden mehrmals Auseinandersetzun- gen zwischen
gewaltbereiten Jugendlichen und der Polizei gegeben. In Neuenhagen im Kreis
Strausberg verhinderten Polizisten die Rennen auf einem alten Industriegelände,
wo sich nach Polizeiangaben am Sonntag abend etwa 400 Leute mit 200 Autos
versammelt hatten.
Fünf vorläufige Festnahmen verzeichnete die Polizeidirektion Oranienburg. Sie
hatte die illegalen Raser bei Bernau, nordöstlich von Berlin, stellen können.
Polizeisprecher Rudi Sonntag übte Medienschelte: Potentielle Rennteilnehmer hätten
organisierte Ordnungswidrigkeiten in den Medien ankündigen können.
Im Potsdamer Innenministerium stellt man sich nach "Deeskalations- und Gesprächsbemühungen" in der Vergangenheit auf weitere Polizeieinsätze an den kommenden Wochen- enden ein. Es werde wohl noch eine Zeit dauern, bis man das Ganze im Griff habe, sagte Ministeriumssprecherin Helga Wanke der FR. Mit dem verstärkten Einsatz von Videokameras soll nun den Tätern auf die Spur gekommen werden.
Ganz andere Probleme hat die Polizei mittlerweile in Thüringen. Dort hat sich eine neue Variante des Rasens herausgebildet. Der Chef der Suhler Verkehrspolizei, Günter Kauffmann, berichtete jetzt, Jugendliche suchten neuerdings den Nervenkitzel als "Kurvenflitzer" im Thüringer Wald. Dabei gehe es darum, mit möglichst hoher Geschwindigkeit durch Kurven zu rasen. Hunderte von Zuschauern verfolgten mittlerweile diese illegalen Spektakel an Wochenenden. Es sei, so Kauffmann, "der helle Wahnsinn". Der Polizei seien weitgehend die Hände gebunden. Die jugendlichen Fahrer hätten offenbar ein Frühwarnsystem entwickelt, um sich gegenseitig vor herannahenden Polizeifahrzeugen zu informieren.
Mit Vollgas in den Tod:
Illegale
Autorennen in Deutschland – jetzt rüstet die Polizei auf
Der Spuk beginnt meist um Mitternacht: Motoren
heulen auf, junge Autofahrer suchen den „Kick“ und jagen ihre zu
PS-Kraftprotzen
aufgemotzten Kleinwagen mit über 100 Sachen über öffentliche Straßen – natürlich
innerhalb geschlossener Ortschaften. In Köln kam es diesen Mittwoch zu einem tödlichen
Unfall, als zwei Porsche-Fahrer ihre Kräfte maßen. Und auch auf den Autobahnen
kommt es nach illegalen Autorennen immer wieder zu folgenschweren Unfällen.
Doch jetzt rüstet die Polizei auf: Erst im vergangenen Monat konnte die Polizei
in Brandenburg ein Rennen mit über 200 Fahrzeugen verhindern.
Mehr
Punkte für Illegal-Renner
Bonn - Bundesverkehrsminister Wissmann (CDU) plant zum Sommer höhere Strafen für Verkehrssünder. Beispiele: Illegale Autorennen sollen dann vier statt einen Strafpunkt bringen, Falschparken auf Behinderten-Plätzen 75 statt 40 Mark kosten. Die Letzte Erhöhung war 1993.
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